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Johanna Kneer zum vierten Mal in Folge Team-Europameisterin

  • 12Std.
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"Respekt, was sie Jahr für Jahr leistet. Das ist unglaublich und traumhaft."



Wie es zu erwarten gewesen war, hatte Johanna Kneer (KJC Ravensburg) bei den 61. Europameisterschaften in der Frankfurter Eissporthalle, in der insbesondere an den beiden Finaltagen ein begeisternde Atmosphäre geherrscht hatte, für die besten Resultate aus baden-württembergischer Sicht gesorgt.


Nachdem die Weltmeisterin und "World-Games"-Gewinnerin in der Gewichtsklasse +68 Kilogramm am Samstag kampflos die Bronzemedaille erhalten hatte – ihre Gegnerin, die Griechin Kyriaki Kydonaki, hatte sich im Halbfinale so schwer am Knie verletzt, dass sie nicht mehr antreten konnte -, hatte sie zusammen mit dem deutschen Kumite-Team den EM-Titel aus dem vergangenen Jahr verteidigt - und nicht nur das: Seit 2023 sind die DKV-Damen in diesem Wettbewerb ununterbrochen die Nummer eins in Europa.


Svjatoslav Prokop an seinem temporären Arbeitsplatz im Studio des HR mit Robin Niehaus
Svjatoslav Prokop an seinem temporären Arbeitsplatz im Studio des HR mit Robin Niehaus

Während das Team den Triumph in der Halle ausgelassen gefeiert hatte, hatte Svjatoslav Prokop im Studio des Hessischen Rundfunks (HR) die Kämpfe von Johanna Kneer, Hannah Riedel und Madeleine Schröter an der Seite von Kommentator Robin Niehaus für den auf hessenschau.de ausgestrahlten Live-Stream kommentiert. Bereits am Samstag hatte der KVBW-Sportwart die Einzel-Entscheidungen analysiert. Zu sehen sind die beiden Streams zu einem späteren Zeitpunkt auch on demand in der ARD-Mediathek.



Derweil hatten die Zuschauerinnen und Zuschauer in der heißen Eissporthalle eine packende Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich erlebt und wo Johanna Kneer mit ihrem 7:1-Auftakt-Erfolg den Grundstein für den späteren Titel-Gewinn gelegt hatte.


Wie stark die 28-Jährige im Team-Wettbewerb unterwegs gewesen war, war beim Blick auf die Statistik deutlich geworden: In ihren insgesamt fünf Kämpfen war sie viermal als Siegerin von der Tatami gegangen – wobei sie zwei von ihnen vorzeitig jeweils mit 8:0 beendet hatte.


"Respekt, was sie Jahr für Jahr leistet. Das ist unglaublich und traumhaft", hatte Köksal Cakir, der nicht nur KVBW-Landestrainer ist, sondern als Assistenz-Trainer von Noah Bitsch fungiert, die doppelt Ausgezeichnete in den höchsten Tönen gelobt.


Nikolai Sekot (links)
Nikolai Sekot (links)

Pech mit den Auslosungen hatten die beiden Bronzemedaillen-Gewinner von 2025, Nikolai Sekot (MTV Ludwigsburg / +84 Kilogramm) und Muhammed Özdemir (BC Rhein-Neckar / -67 Kilogramm).


Während sich Sekot nach seinem überraschenden 2:1-Erfolg gegen den Weltranglisten-Vierten Anes Bostandzic (Bosnien-Herzegowina) mit der Nummer fünf der Welt, Andjelo Kvesic (Kroatien), auseinandersetzen musste und dem Routinier ein 0:0 abgetrotzt hatte – was allerdings nicht zum Weiterkommen gereicht hatte -, hatte Özdemir mit Omer Abdurrahim Ozer (Türkei) einen Gegner zugelost bekommen, gegen den er erst im März dieses Jahres, im Rahmen der Premier League in Rom, mit 3:4 verloren hatte.


Muhammed Özdemir (rechts)
Muhammed Özdemir (rechts)

Und der Trend hatte sich – sehr zum Verdruss von Özdemir - in der Main-Metropole fortgesetzt. In einem Duell auf Augenhöhe hatte Ozer überhaupt keine Angriffsfläche geboten und war mit 4:0 in die nächste Runde eingezogen.


Beide KVBW-Athleten waren zudem in den beiden Begegnungen des Team-Wettbewerbs (0:3 in der ersten Runde gegen die Türkei und 2:3 in der Trostrunde gegen Frankreich) zum Einsatz gekommen. Während Sekot "als feste Säule des Teams" (Cakir) nicht gut gewesen sei und sich seine beiden Niederlagen nicht erklären könne, hatte Özdemir eine ausgeglichene Bilanz aufzuweisen gehabt.


Konstantinos Papastergios (links)
Konstantinos Papastergios (links)

Mit Konstantinos Papastergios (MTV Ludwigsburg / +84 Kilogramm) hatte ein weiterer Athlet aus Baden-Württemberg im Mannschafts-Wettbewerb auf der Tatami gestanden - und genau wie Sekot zweimal verloren. Gleichwohl hatte Cakir seinen Schützling nicht kritisieren wollen.


"Man hat gemerkt, dass Kosta reifer geworden ist. Und weiter: "Dass wir nicht weitergekommen sind, war schon sehr schade. Dadurch haben wir uns leider nicht für die Team-Weltmeisterschaften im November qualifiziert."


Bedingt durch das Ausscheiden war der vierte Kämpfer vom MTV Ludwigsburg, Renzo-Ney Volpe Pintos (-84 Kilogramm), nicht zum Einsatz gekommen. "Er ist ein unberechenbarer Kämpfer, den ich gerne gegen einen unbequemen Gegner wie Schottland eingesetzt hätte. Dazu ist es jedoch leider nicht gekommen", hatte der Bundes-Assistenz-Trainer seine taktische Herangehensweise bei der Aufstellung erläutert.


Tim Steiner (links)
Tim Steiner (links)

Dramatisch früh im Einzel-Wettbewerb ausgeschieden war Tim Steiner (MTV Ludwigsburg / -75 Kilogramm). Nachdem Steiner zwei Sekunden vor dem Ende aus einem 2:3 ein 3:3 gemacht hatte - und den Vorteil des Senshu gegen Nikolay Tsanev auf seiner Seite wusste –, war er, um einer weiteren Offensive des Bulgaren zu entgehen, von der Tatami gegangen.


Was dann gefolgt war, hatte Steiner wohl nicht erwartet: Die Kampfrichterinnen und Kampfrichter waren zusammengekommen, um darüber zu diskutieren, ob das Verlassen der Matte noch innerhalb der Zeit oder danach gewesen war - und sie waren zu dem Schluss gekommen, dass das Vergehen innerhalb der Zeit begangen worden war.



Damit hatte der Ludwigsburger seine vierte Verwarnung erhalten und den Senshu verloren. Und weil Tsanev in diesem Duell eine Waza-Ari-Wertung gelungen war, hatte er die zweite Runde erreicht und einen sichtlich konsternierten Tim Steiner hinterlassen.


"Warum er das gemacht hat, kann ich mir nicht, kann er sich nicht erklären", so Cakir, der hernach erklärt hatte, warum er Tim Steiner nicht im Team-Wettbewerb eingesetzt hatte: "Ich war mir nicht sicher, wie fest er sein würde."


Albert Singer
Albert Singer

Für die zweite Medaille eines KVBW-Teilnehmers hatte Albert Singer (KC Vaihingen / Enz) gesorgt. In der K21-Klassifizierung ("Menschen mit geistiger Beeinträchtigung / IQ weniger als 75") hatte Singer den dritten Platz belegt.


Zudem waren der EM-Novize Melvin Voss (ASV Dokan Eislingen) und der EM-Routinier Marvin Nöltge (KD Waldkirch-Kollnau) in der "K22" ("Menschen mit geistiger Beeinträchtigung / Down-Syndrom") in die "Top Acht" gekommen.


Melvin Voss (links) und Marvin Nöltge (rechts) mit ihren Mitstreitern aus Spanien und Italien
Melvin Voss (links) und Marvin Nöltge (rechts) mit ihren Mitstreitern aus Spanien und Italien

Autor: Dirk Kaiser Fotos: DKV / Brigitte Kraußer


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