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Nach Final-Gala: Johanna Kneer ist erstmals Weltmeisterin

Aktualisiert: 1. Dez. 2025

Unfassbares 8:0 im Gold-Duell gegen die Weltranglisten-Zweite Sofya Berlutseva.


Überglücklich: Johanna Kneer
Überglücklich: Johanna Kneer

Wenn Johanna Kneer (KJC Ravensburg) auf der Tatami steht, ist Spektakel garantiert - so auch in Kairo, im Rahmen der Einzel-Weltmeisterschaften.


Nachdem die 27-Jährige ihren Vorrunden-Pool hinter Menna Shabaan Okila aus Ägypten als Zweite beendet hatte - und in zwei von drei Kämpfen erst in den Schluss-Sekunden aus einem Rückstand ein Unentschieden gemacht hatte -, war im Achtelfinale gegen Nancy Garcia der nächste Thriller gefolgt.


Gegen die Französin, die von Kneer in diesem Jahr bereits dreimal bei Premier-League-Events besiegt worden war (5:3 / Paris, 7:3 / Hangzhou, 3:0 / Rabat), war die "World-Games"-Siegerin zunächst kein Risiko eingegangen. Da Garcia die gleiche Taktik verfolgt hatte, hatten sich beide Athletinnen bis zur Hälfte des Kampfes jeweils drei Verwarnungen wegen Passivität abgeholt.



Hatte gegen Sugire Sumita einen Start nach Maß hingelegt: Johanna Kneer (links)
Hatte gegen Sugire Sumita einen Start nach Maß hingelegt: Johanna Kneer (links)

Danach war es Kneer gewesen, die mehr investiert und mit einer Ippon-Wertung auf 3:0 gestellt hatte. Gleichwohl hatte Bundestrainer Noah Bitsch dazu aufgefordert, "weiter beweglich" zu bleiben.


Was Kneer zwar getan, aber ihre Gegnerin nicht davon abgehalten hatte, mit einem Yuko und einem Waza-Ari zum 3:3 auszugleichen. Doch Kneer hatte das hauchdünne Ergebnis über die verbleibenden Sekunden gebracht.


Auch das Viertelfinale war eine Angelegenheit ist bester Hitchcock-Manier gewesen: Gegen Guadalupe Quintal Catzin, die überraschend die Nummer eins der Weltrangliste, Maria Torres Garcia (Spanien), aus dem Wettbewerb befördert hatte, lag Kneer lange Zeit zurück (0:1, 1:2, 1:3) - weil die Mexikanerin die Kneer'schen Offensiv-Bemühungen clever gekontert hatte.


Mit ihrer bevorzugten Technik war es die Deutschen 26 Sekunden vor dem Ende jedoch gelungen, dem Kampf eine andere Wendung zu geben - und in der Folgezeit das knappe 4:3 mit Verve und Routine über die Zeit zu bringen.


Der Moment, der für die Entscheidung gegen die Griechin Kyriaki Kydonaki gesorgt hatte
Der Moment, der für die Entscheidung gegen die Griechin Kyriaki Kydonaki gesorgt hatte

Etwas weniger Spektakel hatte es im darauffolgenden Halbfinal-Duell mit Kyriaki Kydonaki gegeben: Zweieinhalb Minuten lang hatten sich die Kontrahentinnen belauert, wobei es Johanna Kneer zweimal gelungen war, die Griechin, die Ende Mai dieses Jahres in Rabat (Marokko) im Bronze-Duell des Premier-League-Events Kneer mit 5:0 besiegt hatte, in die Matten-Ecke zu drängen.


Dann hatte Kneer das richtige Gespür für die wichtigste Aktion des Kampfes gehabt - und mit einer Ippon-Wertung auf 3:0 gestellt. Fünf Sekunden später war das 4:0 gefolgt - weil Kydonaki gezwungen gewesen war, alles auf eine Karte zu setzen.


Da es bei diesem Resultat bis zum Schluss bleiben sollte, hatte die Deutsche nicht nur Wiedergutmachung für die zuletzt erlittene Niederlage betrieben, sondern das Finale gegen die Weltranglisten-Zweite Sofya Berlutseva aus Kasachstan erreicht.


Überraschend einseitige Final-Angelegenheit


Phantastisch eingefangen von DKV-Fotografin Brigitte Kraußer: Die erste Aktion von Johanna Kneer, die zum 3:0 gegen Sofya Berlutseva führte
Phantastisch eingefangen von DKV-Fotografin Brigitte Kraußer: Die erste Aktion von Johanna Kneer, die zum 3:0 gegen Sofya Berlutseva führte

Und das hatte sich, entgegen aller Prognosen, zu einer einseitigen Angelegenheit entwickelt: Nach exakt zwei Minuten hatte Kneer das ungleiche Duell vorzeitig beendet - weil sie dank einer konzentrierten und fokussierten Vorstellung mit 8:0 in Führung gelegen hatte.


Ein unglaubliches Resultat angesichts der Tatsache, dass die beiden Premier-League-Kämpfe in diesem Jahr 2:2 (in Hangzhou / Vorteil Berlutseva) und 0:0 (in Kairo / Vorteil Kneer) ausgegangen waren.


Erste deutsche Weltmeisterin seit 23 Jahren


Eine strahlende Ravensburgerin (Zweite von links) und ein sichtlich zufriedener DKV-Präsident Wolfgang Weigert, der in seiner Funktion als "WKF"-Vize die Medaillen überreichte
Eine strahlende Ravensburgerin (Zweite von links) und ein sichtlich zufriedener DKV-Präsident Wolfgang Weigert, der in seiner Funktion als "WKF"-Vize die Medaillen überreichte

Während die Kasachin, die kein Rezept gegen die bärenstarke Vorstellung ihrer Gegnerin gefunden hatte, konsterniert auf die Tatami gestarrt hatte, hatte Kneer ihre Freude über den ersten WM-Titel ihrer Karriere in Richtung des deutschen Teams kundgetan. Nach Kora Knühmann, die 2002 in Madrid WM-Gold in der Gewichtsklasse -53 Kilogramm geholt hatte, hat Karate-Deutschland nach 23 Jahren des Wartens wieder eine Weltmeisterin. Ihr Name: Johanna Kneer.


"Der Weltmeister-Titel überstrahlt alles"

"Der Weltmeister-Titel überstrahlt alles - obschon es zwischenzeitlich immer mal ein bisschen knapp war. Uns war aber klar, dass die meisten Kämpfe eng ausgehen würden. Allerdings haben wir nicht mit einem 8:0 im Finale gerechnet. Das war eine absolute Meisterleistung. 
Ihre Coolness, auf den Punkt abzuliefern, hat sie sich über mehrere Jahre erarbeitet. Sie ist gereift und so stabil, dass sie ihr Niveau und ihr Potential jederzeit abrufen kann. Dieses Wissen sorgt für das entsprechende Selbstbewusstsein - sowohl bei Rückständen als auch bei Führungen." Noah Bitsch (Bundestrainer)

Johanna Kneer (+68 Kilogramm) / WKF-Ranking: 3

7:1 gegen Sumire Sugita (Japan) / WKF-Ranking: 17

2:2 gegen Menna Shaaban Okila (Ägypten) / WKF-Ranking: 6

1:1 gegen Nikolina Golombos (Kroatien) / WKF-Ranking: 20

Achtelfinale: 3:3 gegen Nancy Garcia (Frankreich) / WKF-Ranking: 12

Viertelfinale: 4:3 gegen Guadalupe Quintal Catzin (Mexiko) / WKF-Ranking: 31 Halbfinale: 4:0 gegen Kyriaki Kydonaki (Griechenland) / WKF-Ranking: 4

Finale: 8:0 gegen Sofya Berlutseva (Kasachstan) / WKF-Ranking: 2


Muhammed Özdemir (links) im Duell mit Jody Watson aus Südafrika
Muhammed Özdemir (links) im Duell mit Jody Watson aus Südafrika

Bis ins Achtelfinale gegangen war es für Muhammed Özdemir (TSG Wiesloch). Nachdem der 21-Jährige, der von KVBW-Landestrainer Köksal Cakir gecoacht wurde, seinen Vorrunden-Pool mit zwei Siegen und einer Niederlage als Bester abgeschlossen hatte, war es in der K.o.-Runde zum Aufeinandertreffen mit Georgios Baliotis gekommen. Ein Gegner, gegen den er 2024, im Rahmen der Europameisterschaften in Zadar, in der zweiten Runde mit 3:4 verloren hatte.



Und auch in diesem Aufeinandertreffen hatte sich der Grieche, der bei einer Kampfzeit von 1:15 Minuten den ersten Punkt markiert hatte, mit 2:0 durchgesetzt - wobei Özdemir, der ungewöhnlich früh (42 Sekunden vor Schluss) mit vier Verwarnungen belastet gewesen war, alles daran gesetzt hatte, dem Kampf eine Wendung zu seinen Gunsten zu geben. Doch das Unterfangen war nicht von Erfolg gekrönt gewesen.


Impressionen von den vier Özdemir-Kämpfen


Muhammed Özdemir (-67 Kilogramm) / WKF-Ranking: 16

2:1 gegen Didar Amirali (Kasachstan) / WKF-Ranking: 34

5:2 gegen Jody Williams (Südafrika) / WKF-Ranking: 80

5:5 Omer Abdurrahim Ozer (Türkei) / WKF-Ranking: 3

Achtelfinale: 0:2 gegen Georgios Baliotis (Griechenland) / WKF-Ranking: 9


Autor: Dirk Kaiser Fotos: DKV / Brigitte Kraußer

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